Website umziehen auf neue Domäne: Praxisreport & HowTo

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Für eine bestehende Webseite soll die Domäne (URL) geändert werden. Neben dem Umzug des Webspace muss man auch auf darauf achten, keine SEO Fehler zu machen und die Monetarisierung im Auge zu behalten.

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Gründe für einen Domain Umzug

Im Falle von ERFOLGSREZEPTE ONLINE war der Grund, dass ein neuer Name für diese Webseite eingeführt wurde und der Domainname sich entsprechend geändert hat. Es kann allerdings auch sein, dass man gezwungen ist, eine Domäne freizugeben, weil ein anderer stärkere Rechte daran hält.

Wie auch immer, das Grundproblem ist dasselbe: Die gesamte Webpräsenz muss von der alten Domäne auf die neue umgezogen werden. Das bringt gleich mehrere Komplikationen mit sich, hier mein Praxisreport:

Konsequenzen beim Domänenumzug

Zunächst ändert sich offensichtlich die URL, mit der die Webseite erreichbar ist. Wenn man sowohl im Besitz der neuen als auch der alten Domain ist, dann sollte man unbedingt eine 301 Weiterleitung von der alten auf die neue URL einrichten. 301 steht für eine permanente Umleitung.

Weiterhin kann es Probleme mit der Sichtbarkeit der URL im Google Suchindex geben, wenn man keine Vorkehrungen trifft. Diese sind einfach, aber eben notwendig und geschehen nicht von selbst.

Und zuletzt der offensichtlichste Kern des Problems, zumindest für den, der auf einen anderen Server umzieht: Man muss die bisherigen Daten auf den neuen Server umziehen. Wie das mit WordPress geht, wird gleich beschrieben.

VG Wort Tantieme möglicherweise gefährdet

Eine offene Frage, deren Antwort ich aus meiner Sicht gleich gebe, ist die, ob ein Domänenumzug die Tantiemen bei der VG Wort gefährden kann. Hintergrund sind die sogenannten Zählpixel, die zählen, wie oft ein Beitrag aufgerufen wurde. Erst ab einer Mindestanzahl Zugriffe gibt es überhaupt eine Ausschüttung. Nun hält die VG Wort die URL fest, die von der Zählmarke festgestellt wurde. Bei einer Domainweiterleitung stellt der Zählpixel nun zwei Domänen fest: Einmal die alte (wenn der Beitrag über diese aufgerufen wurde) und die neue, aktuelle Domäne. Das ist per se ein potentielles Problem, denn eine Zählmarke darf nur in einem einzigen Beitrag eingebunden werden. Weiterhin summieren sich die Aufrufe nicht weiter, wenn die neue URL ins Spiel kommt, die Aufrufe der alten Domäne und die der neuen werden getrennt gezählt, so sehe ich das jedenfalls! Aber man kann es nicht ändern, daher gibt es hier keine Alternative.

Eine Webseite richtig umziehen

Zuallererst sollte man sich Gedanken machen, dass die neue Seite genauso gut gefunden wird wie die alte Domäne. Daher unbedingt in den Google Webmaster Tools die neue Domäne zusätzlich zur bisherigen registrieren und auch verifizieren (etwa durch Hochladen einer Datei, die Google in den Tools vorgibt). Im folgenden gibt es viele allgemeine Tipps und ein paar, die auf WordPress spezifisch zugeschnitten sind, dem Top Content Management System.

Backup & Restore

Gibt es einen neuen Webspace, dann muss die Webpräsenz dorthin mitsamt all ihrer Daten (Dateien und Datenbank) umgezogen werden. Für WordPress gibt es das kostenlose Plugin UpdraftPlus – Backup/Restore, welches diese Aufgabe zum Kinderspiel macht. Das Sichern dauern nur wenig Sekunden und geht auf Knopfdruck (allerdings kostet die Restore-Option für eine geänderte Zieldomäne Geld)!

Alternativ zum o.g. Backup-Plugin kann man die Dateien der WordPress-Installation per FTP sichern und die Datenbank über phpMyAdmin. Die FTP-Dateien auf der Zieldomäne wieder einspielen und die wp-config.php Datei ändern (der Datenbankname und User sowie Passwort werden wahrscheinlich nun andere sein).Das Rückspielen der Datenbank ist im eben genannten Link erklärt.

Links migrieren

Auch wenn man auf einen neuen Server oder eine neue Webadresse umgezogen ist, sind die URLs auf den Webseiten oder Blog-Beiträgen noch die alten! In WordPress kann man dieses Problem schnell lösen mit Hilfe des kostenfreien Plugins Go Live Update URLS. Nach Installation und Aktivierung dieser genialen Erweiterung gibt man die alte Adresse und die neue ein. Es reicht, so etwas wie www.altedomain.de anzugeben, das HTTP-Präfix ist nur notwendig bzw. sinnvoll, wenn man in seiner Adresse kein www verwendet. nach einem Knopfdruck und einer Sekunden ist die Sache erledigt!

Es ist nach dem Umzug auf eine neue Domäne sinnvoll, alle HTML Dateien auf fehlerhafte Links zu prüfen. Das geht sehr einfach mit dem WordPress Plugin Broken Link Checker, das direkt nach Installation und Aktivierung eine Mail mit ungültigen Verweisen an den Admin schickt. Über eine Konsole kann man sehr schön sehen, welche Links kaputt sind und diese direkt korrigieren, ohne den Beitrag mit dem Link bearbeiten zu müssen! Wahlweise kann man statt des Plugins für Webseiten ohne WordPress ein Online Tool verwenden.

Neue URL in WordPress hinterlegen

Für den Fall, dass man nicht auf einen neuen Server umzieht, sondern alle WordPress Files auf dem selben Webspace verbleiben und sich nur die URl ändert, muss man diese in den Einstellungen ändern. Dazu im Menü unter Einstellungen –> Allgemein die neue Adresse sowohl bei WordPress Adresse (URL) als auch im Eingabefeld Website-Adresse (URL) hinterlegen.

Adressänderung bei Google beantragen

Jetzt kann man wiederum in den Google Webmaster Tools für die alte Domäne angeben, dass man eine Adressänderung vornehmen will (d.h. auf eine neue Domäne umziehen will). Dies geht, indem man die alte Domäne in den Tools aufruft und rechts oben im Zahnrad-Symbol den Menüpunkt Adressänderung aufruft. Man muss dann aus der Liste der bereits registrierten URLs die neue auswählen und den Anweisungen auf dem Bildschirm folgen. So ist sichergestellt, dass Google die neue Domäne aus SEO-Sicht wie die alte behandelt.

Siteverschiebung bei Bing angeben

Da Bing bzw. Yahoo neben Google die wichtigste Suchmaschine hierzulande ist, sollte man in den Bing Webmaster Tools eine Siteverschiebung melden. Das geht im Menüpunkt Diagnose & Tools -> Siteverschiebung und zwar ziemlich einfach, wie der folgende Screenshot zeigt:

Siteverschiebung
Domain-Umzug auf Bing

Am einfachsten geht es, wenn man die neue Domäne zuvor bei Bing registriert und verifiziert (etwa durch Hochladen einer Datei mit Verifizierungsinfos).

Neue URL crawlen lassen

Optimalerweise lässt man Google jetzt die neue Adresse crawlen. Das geht in den GWT unter dem Menüpunkt Crawling und dem Untermenü Abruf wie durch Google. Einfach  auf den Button Abrufen klicken (ohne weitere Eingabe). Danach gleich auch noch eine Sitemap für die neue Website hinterlegen.

301 Weiterleitung einrichten

Hat man alles soweit fertig, fehlt nur noch eine 301 Weiterleitung der alten auf die neue URL. Das kann man entweder über den Service-Bereich seines Web Hosters machen, wenn er in der Admin-Oberfläche eine Möglichkeit dafür vorgesehen hat. Beispielsweise geht das bei All-Inkl derart komfortabel. Oder man fügt folgende Zeilen in der .htaccess Datei auf seiner alten Domäne ein:

<code class="html">RewriteEngine On
Redirect 301 / http://www.neue-domain.de</code>

Das sorgt dafür, dass alle Aufrufe von www.alte-domain.de nach www.neue-domain.de umgeleitet werden. Beispielsweise wird dann auch ein Aufruf der Unterseite

<code class="html">www.alte-domain.de/eineseite</code>

umgeleitet nach

<code class="html">www.neue-domain.de/eineseite</code>

Bei zu vielen Redirects, also wenn Seite A auf B, B auf C usw. verweist, schaltet der Google-Bot ab. Gemäß Matt Cutts nach vier bis fünf Redirects. Für temporäre Umleitungen sollte man den Code 302 verwenden.

Beiträge in Soziale Medien anpassen

Auf Facebook, Google+ und Pinterest sollte man die geposteten Beiträge so anpassen, dass sie die neue URL enthalten anstatt der bisherigen. Das ist etwas Arbeit, sollte sich aber lohnen. Zumal man dann auch den neuen Markennamen besser ins Bewusstsein der Leserschaft bringt. Bei Twitter ist alles egal, nachträgliches Editieren scheidet hier aus.

Google Analytics Verknüpfung

Man sollte nicht vergessen, eine neue Verknüpfung in Google Analytics anzulegen und diese außerdem mit der zugehörigen Property in den Google Webmaster Tools zu verbinden. Danach muss der Analytics-Code für in den HTML-Dateien der Webseite angepasst werden. Mit WordPress geht das besonders einfach, beispielsweise mit dem Google Analytics Plugin von Yoast. Dort wählt man in den Einstellungen (erreicht man über das allgemeine Plugins Menü und dort beim Yoast-Plugin) einfach die neue Website aus und authentifiziert diese.

PageRank bleibt erhalten

Und das beste: Der Google PageRank bleibt erhalten, das jedenfalls versprach Google Mitarbeiter Matt Culls in einem Video, in dem er 301 Weiterleitungen erklärt:

 

Wichtig ist laut Matt Cutts, dass man möglichst keine verschachtelten Redirects vornimmt, sondern immer von einer URL auf die engültige URL.

Anhaltende Beeinflussungen

Angenommen, man hat alles erdenkliche richtig gemacht. Dann gibt es immer noch negative Konsequenzen. Beispielsweise zeigt Alexa den Traffic Rank nicht mehr so hoch an wie zuvor, d.h., Alexa hat die Daten der alten Adresse nicht mit denen der neuen verknüpft. Schade. Weiterhin beginnt die Google Analytics Statistik von vorne. Man muss also manuell die Statistikzahlen des alten und des neuen Accounts übereinanderlegen (bildlich gesprochen), um ein reales Ergebnis zu erhalten.

Insgesamt wird man also kurzfristig einige Besucher und Klicks einbüßen. Langfristig sollte sich ein Umzug lohnen, vorausgesetzt, man hat jetzt einen besseren Namen als vorher, einen schnelleren Server o.ä.

Affiliate Links

Eigentlich der wichtigste Punkt, wenn man ein Blog betreibt, um damit etwas Geld zu generieren! Viele Affiliate-Netzwerke rechnen eine Conversion nur an, wenn der Referrer, also die aufrufende URL, die ist, die im Partnerprogramm registriert wurde. Man muss also unbedingt seine neue URL anstelle der alten eintragen.

Dummerweise geht das bei vielen Affiliates nicht, so dass man eine neue Webseite anlegen und wohl oder übel eine neue Bewerbung bei allen Werbeprogrammen stellen muss! Auch darf man nicht vergessen, die neuen Links dann auch auf der Website oder im Blog unterzubringen, denn nur dann bekommt man eine Anrechnung!


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Dr. Klaus Meffert
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Dr. Klaus Meffert

Der Autor ist Diplom-Informatiker und hat neben seinem Beruf als Organisationsberater zum Doktoringenieur promoviert. Er besitzt 30 Jahre Erfahrung im IT-Bereich (Software-Lösungen, Apps, Web, Online-Marketing, IT-Beratung) ist mehrfacher Buchautor und Autor zahlreicher Fachartikel. Er hilft Unternehmen mit maßgeschneiderten Software-Lösungen und mit besseren Google-Rankings zu mehr Erfolg.
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